Erhebung des Vaginalstatus als Begleitmaßnahme zur
Vermeidung von Frühgeburten
Der weit überwiegende Teil der vermeidbaren
Frühgeburtsursachen – ganz besonders im Zeitraum zwischen
12+0 SSW und 32+0 SSW –
ist in der aszendierenden genitalen Infektion zu suchen, und
diesbezüglich angesetzte diagnostische und therapeutische
Strategien sind von entscheidender Bedeutung. Ein Zusammenhang
zwischen Infektionen und Frühgeburt ist durch zahlreiche Studien
nachgewiesen worden (siehe andere Artikel auf dieser Website).
Bei der Suche nach genitalen Infektionen hat man
sich bislang vor allem auf die Bakterielle Vaginose
konzentriert. Auf Grund neuerer Erkenntnisse muss aber
verstärkt schon auf deren Vorstadien geachtet werden. Hierbei
spielt das natürliche Laktobazillen-Schutzsystem in der Scheide
die zentrale Rolle. Dabei gibt es zwischen verschiedenen
Laktobazillus-Stämmen bedeutende Unterschiede. So haben Frauen
mit H2O2-produzierenden Laktobazillen in
der Vagina ein geringeres Risiko, eine Infektion zu entwickeln
als Frauen, deren Laktobazillen kein H2O2
produzieren.
Deshalb, und auch zur Diagnose besonderer
Erreger, ist besonders bei rezidivierenden Vaginalinfektionen
zusammen mit dem klinischen Bild eine Differentialdiagnose
durch die Beurteilung der vaginalen Mikroökologie
empfehlenswert. Vor diesem Hintergrund wurde vom Institut für
Mikroökologie in Herborn das Konzept des Vaginalstatus entwickelt. Hiermit ist es
möglich neben den Erregern bakterieller, Hefepilz- und
Trichomonas vaginalis-bedingter Vaginitis auch Leit- bzw.
Markerorganismen einer intakten Vaginalflora zu erfassen und
oft auch Therapieempfehlungen auszusprechen.
Der Vaginalstatus erfasst folgende Aspekte:
- Anzahl der Laktobazillen; incl.
H2O2-Produzenten
- Anzahl der ß-B-Streptokokken
- Anzahl der Anaerobier
- Spezifischer Nachweis von Gardnerella
vaginalis, Atopobium vaginae und Trichomonas vaginalis
- Spezifischer Nachweis von Hefen (Candida
spp.)
Eine Besonderheit des Vaginalstatus ist der
Nachweis von Atopobium vaginae. Gerade dieses Bakterium ist
praktisch ausschließlich bei mikroskopisch bestätigter
Bakterieller Vaginose nachweisbar, und nie bei Gesunden. Somit
könnte Atopobium neben Gardnerella als Indikator-Keim
fungieren. Der Nachweis beider Keime ist aber nur durch das
Speziallabor möglich.
Der Nachweis von Atopobium wäre somit ein fast
schon sicheres Indiz für einen Behandlungsbedarf, wobei man
gleichzeitig wegen des programmierten Therapieversagens auf
Metronidazol verzichten müsste, da Atopobium gegen dieses
Chemotherapeutikum resistent ist. Als erstes deutsches Labor
führte das Institut für Mikroökologie den Nachweis von
Atopobium vaginae in die Routine ein.
|