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Ergebnisse
Eigene Untersuchungen
In vollem Ausmaß läuft die Selbstvorsorge-Aktion
erst seit September 1993 (Saling et al. 1994, 1999). Bislang waren bzw.
sind an der Aktion über 9000 Schwangere beteiligt, und rund 2000
haben ihre Fragebögen zurückgesandt.
Abbildung 2 zeigt einige Ergebnisse: Von 1715
Frauen, deren Daten bereits ausgewertet wurden, waren 35 %
(n = 595) Erstschwangere und 65 % (n = 1120)
Mehrfachschwangere. Von besonderem Interesse sind die
anamnestischen Angaben im Kollektiv der Mehrfachschwangeren.
Hieraus geht hervor, dass auffallend viele von ihnen, nämlich
rund 18,3 %, bereits in vorausgegangenen Schwangerschaften
untergewichtige Kinder (< 2500 g) zur Welt gebracht
haben. Daraus ist der Schluss zu ziehen, dass es sich bei den an
der SVA teilnehmenden Frauen nicht um ein in dieser Hinsicht
weitgehend risikoarmes, also ein positiv selektiertes, Kollektiv
handelt. Vielmehr spricht die anamnestisch ermittelte hohe Rate
an untergewichtigen Kindern - sie liegt in der Gesamtbevölkerung
bei 5-6 % - wie auch eine erhöhte Abortrate in den
vorausgegangenen Schwangerschaften eher dafür, dass es sich um
ein Kollektiv mit erhöhtem Risiko handelt. So wiesen, nach
Angaben der Patientinnen, rund 60 % in der jetzigen
Schwangerschaft einen "gestörten" Verlauf auf.
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Abb. 2: Raten untergewichtiger Neugeborener
vor und nach Einsatz der SVA
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Bei allen an der SVA teilnehmenden Frauen lag die Rate an
untergewichtigen Kindern mit 6,2 % dreimal niedriger als in
den jeweils vorausgegangenen Schwangerschaften mit 18,3 %.
Von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass die Zahl der
Kinder mit sehr niedrigem Geburtsgewicht jetzt mit 1,3 %
6-mal niedriger lag als in den unmittelbar vorausgegangenen
Schwangerschaften mit 7,8 %. Die Rate der Kinder mit extrem
niedrigem Geburtsgewicht betrug jetzt 0,9 %, im Vergleich zu
3,9 %.
Von Interesse ist auch die Frage, wie häufig sich
sehr frühe bzw. extrem frühe Frühgeburten wiederholt haben. Bei
den 40 Frauen, die vorher ein sehr früh Frühgeborenes vor
Abschluss von 32 SSW zur Welt gebracht hatten, wiederholte
sich das gleiche Missgeschick jetzt, unter Teilnahme an der SVA,
nur bei vier, also in 10 %. Von den 23 Frauen mit extrem
früh Frühgeborenen (< 28+0 SSW) in der unmittelbar
vorausgegangenen Schwangerschaft kam es in keinem Fall zur
Wiederholung.
Ergebnisse der Erfurter und Thüringer Frühgeburtenvermeidungs-Aktion
Die eben genannten Zahlen wurden bei Frauen
erhoben, die sich direkt an unser Institut gewandt hatten, um an
der SVA teilzunehmen. Die Daten wurden von den Patientinnen
selber dokumentiert. Wissenschaftlich besser fundiert sind
prospektive Untersuchungen und von Ärzten dokumentierte Daten. In
Erfurt wurde von Hoyme et
al. (1998) eine solche prospektive Aktion mit der von uns
entwickelten SVA durchgeführt (dort
"Frühgeburtenvermeidungs-Aktion" genannt). Dabei wurde in ca. der
Hälfte der Erfurter Frauenarztpraxen den Patientinnen die SVA
empfohlen, die andere Hälfte hat ihre Patientinnen nicht darüber
informiert. Die Rate der sehr früh frühgeborenen Kinder war
3,3 % bei Frauen ohne SVA und 0,3 % mit SVA (Hoyme et al. 2002).
In Anbetracht dieser guten Resultate wurde im Jahr
2000 im gesamten Bundesland Thüringen mit Unterstützung der
Landesregierung eine prospektive Untersuchung durchgeführt:
Verglichen wurden hier die Geburten und deren Daten im
1. Halbjahr (HJ) 2000, bei denen den Müttern vorher in der
Schwangerschaft die Teilnahme an der SVA nicht
angeboten worden war, mit den Geburten im 2. HJ. 2000, bei
denen den Müttern vorher in der Schwangerschaft eine Teilnahme an
der SVA empfohlen wurde. Sowohl die Raten der sehr früh
Frühgeborenen, als auch die Raten aller untergewichtigen Kinder
konnten in Thüringen signifikant gesenkt werden. Hier die
wichtigsten Ergebnisse:
Von den 7870 Frauen des 1. HJ erlitten
1,58 % sehr frühe Frühgeburten (< 32+0 SSW),
während es von den 8406 Frauen des 2. HJ mit Einsatz der SVA
nur noch 0,99 % betraf (Abb. 3). Auf die
Geburtsgewichte bezogen konnte vom 1. zum 2. HJ die Rate der
Kinder mit extrem niedrigem Gewicht (< 1000 g) von
0,61 % auf 0,38 % gesenkt werden. Die Rate der Kinder
mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (< 1500 g) sank
von 1,29 % auf 0,97 % (Abb. 4). Bei den eben
genannten Zahlen muss man berücksichtigen, dass sich nicht alle
Thüringer Arztpraxen beteiligt haben und daher nur an ca. 50%
aller Schwangeren in Thüringen Testhandschuhe und
Informationsmaterial verteilt wurden. D.h., die Ergebnisse wären
mit großer Wahrscheinlichkeit noch besser, wenn tatsächlich alle
Schwangeren diese Möglichkeit der Selbstvorsorge genutzt hätten.
Die Ergebnisse sind in Abbildung 3 und 4 sowie ausführlich in
Hoyme et al. (2002) dargestellt.
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Abb. 3: Thüringer Frühgeburten-
vermeidungsaktion 2000
Raten sehr früh Frühgeborener und aller Frühgeborener nach
Hoyme et al.
(2002).
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Abb. 4: Thüringer Frühgeburten-
vermeidungsaktion 2000
Raten der Kinder mit extrem niedrigem und sehr niedrigem
Geburtsgewicht nach Hoyme et al. (2002).
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Die weitere Entwicklung lieferte die Gegenprobe: Seit
Beendigung der Thüringer Frühgeburtenvermeidungsaktion sind die
Frühgeburtenzahlen wieder deutlich gestiegen. Hier nur einige
ausgewählte Ergebnisse (Hoyme und Saling 2004): Z.B. betrug die
Rate der Kinder unter 1500 g GG im 1. Halbjahr
des Jahres 2000 1,29% , im 2. Halbjahr 0,97% und im Jahre 2002
waren es wieder 1,29%.
Bei den besonders frühgeburtsgefährdeten
Merlingsschwangerschaften zeigte sich ebenfalls eine deutliche
Abnahme der Frühgeburten. Die Ergebnisse der insgesamt geborenen
120 Mehrlinge im 1. HJ und der 98 Mehrlinge im 2. HJ sind in
Abbildung 5 dargestellt (Hoyme et al. 2005).
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Abb. 5: Thüringer Frühgeburten-
vermeidungsaktion 2000
Geburtsgewicht von frühgeborenen Mehrlingen nach
Hoyme et al.
(2005).
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